Montag, 28. Juni 2021
Djembe Legende Mamady Keita gestorben

August 1950 – 21.6.2021.

Am 21.6.2021 ist der Welt einer der größten Djembéspieler verloren gegangen.

Mamady Kéita wurde 1950 in Balandougou / Guinea als Sohn eines Jägers und traditionellen Heilers geboren. Er trommelte schon früh auf den Kalebassen seiner Mutter. Der Wahrsager des Dorfes sagte ihm eine große Zukunft als Djembéspieler voraus, so gab man ihn mit 7 Jahren in die Lehre von Karinka Djan Kondé. Dort wurde er initiiert, im Djembéspiel ausgebildet und lernte die Traditionen und die Geschichte des Manding-Landes. Mit 10 spielte er auf traditionellen Festen. Im Alter von 12 Jahren kam er ins regionale Ballett der nahe gelegenen Stadt Siguiri. Mit 14 Jahren kam er in der Hauptstadt Conakry ins Auswahlverfahren für eins der zwei Nationalballetts von Guinea, dem "Ballet Djoliba". Nach 9 Monaten Training wurde er, nun 15-jährig, Djembéspieler des Ensembles. Die Djembé war fast größer als er, aber er hatte mit seinem besonderen Sound überzeugt. Zunächst war er Begleit-, dann Solospieler, ab 1979 sogar Direktor. Die beiden Nationalballetts "Ballets africains" und "Ballet Djoliba" trugen die Kultur Guineas in die Welt. Schon bald feierten sie unglaubliche Erfolge. Die Musiker wurden (in dem damals sozialistischen Land) zu Staatsbeamten. Mamady bereiste mit dem Ensemble die ganze Welt und wurde 1969 in Algier zum besten Trommler Afrikas gekürt.

Nach dem Tod des Präsidenten Sékou Touré und dem Ende des Sozialismus in Guinea 1984 wurden die Bedingungen für die Ensemblemitglieder noch miserabler (auch als Beamte wurden sie zuvor nur mit Hungerlöhnen bezahlt), sodass Mamady das Ballett nach 22 Jahren verließ und 1986 nach Abidjan ging, um das Nationalballett der Elfenbeinküste zu trainieren. 1988 kam er nach Belgien, wo er heiratete und blieb. Er gründete im gleichen Jahr die Gruppe Sewa Kan. 1991 folgte der Film "Djembéfola". In der belgischen Presse galt er als "Mozart der Djembé". 1992 gründete er die Trommelschule Tam Tam Mandingue. 1996 war er in der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf Dozent an der Seite von Terry Bozzio und Luis Conte ... die Djembé war nun endgültig auf dem Weltmarkt angekommen. 1998 stellte Mamady in Belgien ein Festival auf die Beine (als "Mogobalu" herausgebracht), zu dem er die größten "Djembéfola" Westafrikas einlud. Hier spielte man vor einem riesigen Publikum wie sonst nur Popstars.

Mamady sprühte auf der Bühne nur so vor Energie, entfachte bei seinen Soli ein Feuerwerk an Technik und fügte stets eine Portion Show hinzu. Auch sang er (unvergessen sein "Wawanco, suko laiko"). Er verfügte über ein Repertoire von 300 traditionellen Rhythmen. 61 veröffentlichte er in seinem Buch "Mein Leben für die Djembé" mit Uschi Billmeier.

2009 brach Mamady auf dem Afrikafestival Würzburg auf der Bühne zusammen und musste ins Krankenhaus. Seither trug er einen Herzschrittmacher. Herzprobleme brachten ihn auch kurz vor seinem Tod wieder ins Krankenhaus in Brüssel, wo er am 21.6. friedlich im Kreis seiner Familie mit knapp 71 Jahren starb. Beerdigt wird er seinem Wunsch gemäß in Conakry / Guinea.

Famoudou Konaté schreibt in seiner gerade erschienenen Biografie über seinen Kollegen Mamady Kéita: "Sein großer Erfolg wundert mich nicht. Er ist ein großer Musiker, dazu intelligent und durchsetzungsfähig. Wir beide haben den Europäern und den vielen Menschen in allen Ecken der Welt, die unsere Musik lieben, alles zu verdanken."

Auch Percussion Creativ verbindet viel mit Mamady Keita. Er trat 1998 im Rahmen des World Drum Festivals in der Hamburger Fabrik auf. 

Ursula Branscheid-Kouyaté

 

CDs:

1989:  Mamady Kéita: Wassoulou, Fonti Musicali

1992: Mamady Kéita, Nankama, Fonti Musicali

1995: Mamady Kéita: Mögöbalou, Doppel-CD, Fonti Musicali

1996: Mamady Kéita: Hamana (mit Famoudou Konaté), Fonti Musicali

1998: Mamady Kéta & Sewa Kan, Afö, Fonti Musicali

1999: African Drums, Traditional Mandingue Rhythms, Legacy international Rhythms

2000: Mamady Kéita, Balandugu Kan (Doppel-CD), Fonti Musicali

2001: Mamady Kéita: Mamady Lée, Fonti Musicali

2002: Mamady Kéita: Agiaté, Fonti Musicali

2004: Mamady Kéita: Sila Laka, Fonti Musicali

2005: Mamady Kéita: & Sewa Kan, Live at Couleur Café, Fenix Music & ZigZag World

2007: Mamady Kéita: Mandeng Diara, Fonti Musicali

2011: Mamady Kéita & Sewa Kan, Hakili (DVD & CD), ZigZag World

 

Filme:

1967: Afrika-Tanz (mit Harry Belafonte)

1987: La vie platinée. Regie Claude Cadiou

1991: Djembéfola. Regie: Laurent Chevallier

1998: Mögöbalu. Regie: Laurent Chevallier

2003: Djembé Kan. Regie: Monette Marino. Tam Tam Mandingue USA

2005: Mamady Kéita & Sewa Kan live @ Couleur Café, Fenix Music

2010: Hakili (DVD & CD). Regie Thierry Villeneuve. ZigZag World & CristalRecords

2012: Boten der Tradition. Herausgeber: Tam Tam Mandingue USA

 

INFO:  TTM Djembe Academy

 

 

Bild aller Sponsoren von Percussion Creativ e.V.