Freitag, 12. Mai 2017
»Ich bin 80 – aber ich seh’ drei Tage jünger aus.« PC- Veteran Heinz von Moisy im Alter von 82 Jahren in Tübingen gestorben

 Heinz von Moisy war viele Jahre Percussion Creativ Mitglied und war für den Verein stets der Link zur Percussive Arts Society, wo er als erster Deutscher Mitglied im „International Committee“ wurde. 1985 gründete er das German Chapter der P.A.S..

In Sachen Networking und Marketing, Berufseinstellung und Professionalität war er den meisten seiner Zeit voraus und rührte die Trommel auch gerne mal in eigener Sache.

Mit Unterstützung von Percussion Creativ veranstaltete er 1989 das „2.Deutsche Schlagzeug Symposium“ in Tübingen, wo er von 1979-2000 das Percussionstudio der Tübinger Musikschule leitete. In dieser Zeit organisierte er sechzehn Mal die „Tübinger Percussiontage“. Eine Institution in den 90-er Jahren. Dozenten aus den USA, Europa und dem deutschsprachigen Raum wie  Michael Udow, Nebojsa Zivkovic, Rene Creemers, Marta Klimasara, Hakim Ludin, Udo Dahmen, Frederic Macarez, Werner Thärichen, Ney Rosauro, David Friedman, L.H.Stevens, Joe Morello, Rick Latham, Carmine Appice, Bill Bruford, Jan Pustjens, Francois Dupin u.v.m..

Von 1961-1964 studierte er als einer der ersten Europäer Drumset & Vibrafon bei Alan Dawson am Berklee College in Boston. Zurück in Berlin, betrieb Heinz von Moisy dann kurze Zeit später in Zehlendorf einen Laden namens „Heinz‘ Drum Shop“, bis er sich lieber auf die Musikpädagogik stürzte. Danach wurde Heinz von Moisy Tübingens Trommel-Papst. Unterrichtete an der Tübinger Musikschule unzählige Talente oder auch mal Untalentiertere. Er verlor nie seinen Berliner Mutterwitz, den er sich schon aus Selbstschutz im Ländle bewahrte. Und erwartete von Schülern, nicht einfach draufloszudreschen, sondern auch Notenlesen und Harmonielehre mitzunehmen. „Die haben gedacht, sie können hier ihre Wut über den Mathelehrer rauslassen.“

Als Heinz von Moisy vor über zehn Jahren an der Musikschule „zwangsvergreist“ wurde, wie er salopp, aber auch bitter-sarkastisch festhielt, da fühlte er sich auch mit 72 noch topfit genug, um nicht einfach so die Stöcke beiseite zu legen. „Ich setze mich doch nicht in den Anlagenpark und lese Zeitung!“, hieß es damals.

Musikalische Erfahrungen sammelte er als Theatermusiker (u.a. in Berlin und 14 Jahre am LTT) sowie in Produktionen mit Rundfunkorchestern, Bigbands, Gruppen für Neue Musik sowie als Begleiter für Pop- und Jazz-Solisten.

Heinz von Moisy ist nicht nur auf nationaler Ebene als Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Detmold und der Pädagogischen Hochschule Berlin, sondern auch als Workshopdozent in Paris, London, Sofia, Venedig, Prag, Debrecen, Oxford sowie in Russland und den USA tätig gewesen. Als Autor hat er Schlagzeugliteratur bei Boosey Hawkes / Simrock veröffentlicht

Heinz von Moisy war der Mann im Hintergrund, taktvoll den Rhythmus vorgebend, selbst für einen Harald Juhnke oder Drafi Deutscher. Natürlich hing sein Herz am Jazz, vor allem im Zusammenspiel mit den Vibraphonisten Karol Szymanowski oder Manfred Burzlaff. Oft gereist ist er und herumgekommen in der Welt. Hat zehn Jahre lang Aikido gemacht und fünf Jahre lang („Halbmittelgewicht“) auch geboxt. Die Sonnenbrille setzte er ungern nur ab, sie stand ihm aber auch einfach zu gut.

Ich bin kein Rentner. Ich bin Musiker und bekomme Rente. Das ist was anderes.« Heinz von Moisy lässt sich nicht in die üblichen Schubladen stecken. Hunderten von Schülern hat er in der Tübinger Musikschule das Schlagzeug-Spiel beigebracht, bis er dort »zwangsvergreist« wurde, wie er sagt. Mit 71 Jahren wechselte er noch zum Jam-Club, einer privaten Schlagzeugschule seines ehemaligen Schülers Ralf Wettemann, in der er bis zuletzt unterrichtete.

 

Bild aller Sponsoren von Percussion Creativ e.V.